Start Fachkräftemangel Neues zur geplanten „Work-and-Stay-Agentur“

Neues zur geplanten „Work-and-Stay-Agentur“

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Die Bundesregierung plant mit der „Work-and-Stay-Agentur“ ein zentrales Großprojekt, um dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel durch gezielte Einwanderung zu begegnen. Ziel ist es, den Einwanderungsprozess für Fachkräfte aus Drittstaaten deutlich zu erleichtern und deutsche Arbeitgeber bei der Gewinnung von Personal zu unterstützen.

Doch wie weit sind die Pläne wirklich fortgeschritten? Eine kürzlich beantwortete Kleine Anfrage aus dem Bundestag liefert erste Details zu Zeitplänen, Budgets und den bürokratischen Hürden. Hier sind die wichtigsten Kernaussagen zusammengefasst.

Wer steuert das Mega-Projekt?
Die Agentur ist ein ressortübergreifendes Vorhaben. Nach dem Kabinettsbeschluss vom 5. November 2025 koordinieren nun das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium den Aufbau. Im Dezember 2025 wurde hierfür eine spezielle Steuerungsgruppe gegründet, in der auch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung vertreten ist. Ein konkretes Startdatum für die gesamte Agentur gibt es noch nicht. Allerdings sollen die Ziele stattdessen „gestaffelt“ umgesetzt werden.

Die große Herausforderung ist der Behörden-Dschungel
Eine der größten Hürden auf dem Weg zur Optimierung ist die Integration der bestehenden, stark dezentralen Strukturen. Aktuell gibt es allein in Deutschland 549 kommunale Ausländerbehörden sowie 454 verschiedene Anerkennungsstellen für Berufsqualifikationen in den Ländern.

Wie genau diese in die neue Work-and-Stay-Agentur eingebunden werden, ist noch Gegenstand laufender Überlegungen. Sollten die Ausländerbehörden weiterhin eine wesentliche Rolle spielen, soll sichergestellt werden, dass sie prozessual und IT-technisch vollständig in das neue Zielbild integriert werden. Auch die Frage, ob es künftig bundesweit standardisierte Verfahren – beispielsweise bei der Rechtsauslegung oder den Dokumentenanforderungen – geben wird, hängt von der noch offenen Verteilung der Zuständigkeiten ab. Um dies zu klären, wurde Ende 2025 ein Beteiligungsprozess mit Ländern und Verbänden gestartet.

Kampf den langen Visum-Wartezeiten
Ein weiteres zentrales Thema der Anfrage waren die langen Wartezeiten auf Visa, die den Wettbewerb um Fachkräfte erschweren. Die Beschleunigung der Verfahren hat für die Bundesregierung nach eigener Aussage „hohe Priorität“. Durch Maßnahmen wie Personaloptimierung, Digitalisierung und eine Zentralisierung der Bearbeitung konnte das Auswärtige Amt die Zahl der bearbeiteten Anträge für Erwerbs- und Bildungszwecke in den vergangenen zwei Jahren immerhin um 20 Prozent steigern.

Budget und IT-Fokus ab Mitte 2026
Das Projekt hat höchste Priorität und wird mit enormen finanziellen Mitteln ausgestattet. Für die Jahre 2026 bis 2029 sind im „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ bereits 775 Millionen Euro für die Agentur eingeplant. Ein Großteil davon dürfte in die Digitalisierung fließen: Die Beauftragungen für die wichtigsten IT-Komponenten sollen im Jahr 2026 erfolgen, auch wenn die genaue Anzahl der auszuschreibenden IT-Aufträge derzeit noch nicht final feststeht.

Fazit
Die „Work-and-Stay-Agentur“ nimmt also auf dem Papier langsam Form an. Die Finanzierung steht, die Ministerien sind formiert und erste konzeptionelle Schritte sind eingeleitet. Die wahre Bewährungsprobe wird jedoch darin bestehen, das hochkomplexe Geflecht aus hunderten lokalen Behörden in ein schnelles, funktionierendes und digitales System zu überführen. Derzeit findet man erste Informationen zu dem Projekt unter der gesicherten workandstayagentur.de. Um mögliche Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, hat die Bundesregierung bereits zugesichert, den Aufbau der Agentur als wesentliches Regelungsvorhaben zu evaluieren.

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